* Anonyme Alkoholiker * Berichte im Internet
Mittwoch, 28. Mai 2008
"You Kill Me" ab 12. Juni 2008 im Kino


Frank ist ein Gangster, ein Mafia-Killer und Auftragsmörder. Zynisch und gelassen sieht er das Töten als eine Art des Geldverdienens. Wären seine ausgeprägten Alkoholprobleme nicht, hätte er mit dem auf Disziplin gegründeten mafiösen Familiengeist keine Probleme. Doch leider verschläft er einen wichtigen Auftragsmord im Alkoholrausch, und das bisher in festem Familienbesitz stehende Geschäft mit Schneepflügen ist ernsthaft in Gefahr. Der Buffaloer Schnee- und Stadtlandschaft steht ein Machtwechsel ins Haus.

Nachdem sein Onkel ein Machtwort gesprochen hat, wird Frank ohne viel Federlesen nach San Francisco verfrachtet, wo der zwielichtige Dave ihm Wohnung, Job und eine 12-Punkte-Therapie bei den anonymen Alkoholikern verschafft. Als frisch gebackener Leichenkosmetiker in einem Bestattungsunternehmen darf er sich nun nicht mehr mit dem Töten, sondern nur noch mit den Toten beschäftigen. Inmitten einer kuriosen Schar von Freunden, Feinden, Aufpassern, lebensbejahenden Alkoholikern und untröstlichen Angehörigen wird Franks Leben völlig auf den Kopf gestellt. Erst recht, nachdem er der taffen Laurel begegnet ist ...

John Dahls selbstironisches und lakonisches Gangster-Lustspiel unterzieht das Genre der Mafia-Komödie einer gründlichen Erneuerung. Der Film ist sowohl eine romantische Liebeskomödie als auch ein Mafia-Thriller, und dass das funktioniert, liegt an einem hinreißenden Ben Kingsley, der sich als verletzbarer und zynischer Einzelgänger von einer ganz neuen Seite zeigt.

©Mai 2008 - Neue Visionen Filmverleih GmbH

Gefunden hier

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"You kill me" - Ein Mordsspaß
Von Tobias Sunderdiek Osnabrück. - eine der vielen Rezensionen im Netz



Es sollte ein einfacher Job werden, ein simpler Mord. Einer, wie ihn Frank Falenczyk (Ben Kingsley) eigentlich schon hundertfach erledigt hat. Jemanden rasch und sauber eine Kugel in den Kopf schießen oder die Kehle durchschneiden, dann schnell verschwinden und das Geld einstreichen. Aber Frank hat ein Problem: Er säuft. So sehr, dass er, als er einen irischen Gangsterpaten um die Ecke bringen soll, den Auftrag im Vollrausch verpennt. Seinem Boss reicht es: Er schickt Frank zur Ausnüchterung vom dauerverschneiten Buffalo ins sonnige San Francisco. Und da geht es ziemlich rund.

„Hallo, meine Name ist Frank, und ich bin Alkoholiker. Und ich bringe Men-schen für Geld um!“ – das Geständnis vor der versammelten Selbsthilfegruppe lässt die Zuhörer erst mal staunen. Auf die Frage, ob er denn keine Angst davor habe, jemand könnte damit zur Polizei gehen, hat er die passende Antwort parat: „Aber dies sind doch die Anonymen Alkoholiker, oder?“

Hier wird scharf geschos-sen: Nicht nur blaue Bohnen, auch herrlich sarkastische Sätze durchschneiden die Luft um Frank. In John Dahls äußerst launiger Ko-mödie „You Kill Me“ erlebt der Zuschauer einen dieser seltenen Glücksfälle eines kleinen, aber feinen Films, in dem alles passt: Da gibt es eine grandiose Besetzung (neben Kingsley vor allem Téa Leoni als des Killers neue Liebe, sowie Philip Baker Hall und Dennis Farina als Gangsterbosse), da kommen Dialoge so ätzend wie Salzsäure zum Einsatz, wird die Situationskomik genau platziert und siegt der schwarze Humor über jede Form von Geschmack. Nicht zuletzt deswegen, weil Frank ironi-scherweise einen Job bei einem Bestattungsunternehmer anfängt und dort die Toten zurechtmachen muss.

Der Teufel hat den Schnaps gemacht – so heißt es. Dass der Teufel gerade auch in der Ausnüchterung steckt, macht „You Kill Me“ aber auch deutlich – und schafft so, trotz aller Komik, die Gratwanderung zum gelegentlichen Alkoholikerdrama, ohne dabei peinlich zu wirken.

Ein gelungener, mitunter tragikomischer Mordsspaß.

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Zarte Mörderseele
Ben Kingsley in John Dahls Komödie "You Kill Me" von ANKE STERNEBORG

Auch Auftragskiller sind nicht mehr die knallharten und unbeirrbar funktionierenden Tötungsmaschinen, die sie mal waren. Sicher, es kam auch früher mal vor, dass einen Mann wie Jeff Costello oder Frank Bono störende Zweifel oder Gefühle beschlichen, dass er Fehler machte und weich wurde, doch in den sechziger Jahren führte das - bei Melville in "Der eiskalte Engel" und bei Allen Baron in "Blast of Silence" - noch unausweichlich zum Tod. Die moderne Selbsthilfe- und Ratgeberkultur unserer Tage dagegen macht auch vor seltenen, eher im Verborgenen betriebenen Berufsständen keinen Halt mehr. Auch Killer haben ein Recht auf Therapie, damit sie ihren mörderischen Alltag auf die Reihe kriegen. Oder sie melden sich bei den Anonymen Alkoholikern an. Und wenn skrupellose Menschen so verletzliche Seelen haben, wirkt das eben komisch.

Den Anfang machte der Mafiapate Tony Soprano, der 1999 zum ersten Mal von Angstzuständen geplagt wurde und in der inzwischen nach sechs Staffeln eingestellten Fernsehserie regelmäßig zum Analytiker ging. Ungefähr zu derselben Zeit schrieben auch Christopher Markus und Stephen McFeely ihr Drehbuch zu "You Kill Me", das erst jetzt von John Dahl verfilmt wurde, der auch in früheren Filmen wie "Rounders", "Red Rock West" und "The Last Seduction" schon mit einiger Ironie an die klassischen Konstellationen des Film Noir heranging. Inzwischen haben ganze Heerscharen von seelisch angeschlagenen Mordgesellen ihre Defizite auf mehr oder wenig komische Weise abgearbeitet, in Filmen wie "Grosse Pointe Blank", "Analyze This" oder "Mord und Margaritas", wobei sich harte Jungs wie Robert De Niro und Pierce Brosnan durchaus selbstironisch zum Kasper gemacht haben.



Nun ist also Ben Kingsley dran, als abgehalfterter Ausputzer der polnischen Schneeräumermafia von Buffalo. Kingsley karikiert sich sozusagen in doppelter Hinsicht selbst, das "Gandhi"-Image und den knallharten Fiesling, mit dem er genau diesem Image in "Sexy Beast" den Garaus machte. Im Gegensatz zu seinen Kollegen betreibt der sonst bisweilen zur Übertreibung neigende Kingsley aber die Gangster-Demontage mit wunderbar trockenem Understatement, in scharfzüngigen Einzeilern, mit missbilligendem Augenaufschlag und einem Hauch von Spott in der Stimme. Nachdem Frank im Wodkarausch einen wichtigen Auftrag im Kampf gegen die expandierenden Rivalen aus Irland und Asien schlichtweg verpennt hat, wird er von seiner fürsorglichen Familie zur Ausnüchterung nach San Francisco geschickt, wo er bei der Versammlung der Anonymen Alkoholiker nicht nur seine Sucht beichtet, sondern auch gleich seinen Beruf, was die Versammelten mit einer absurden Mischung aus routiniertem Mitgefühl und sehr beiläufigem Schock quittieren.

Auch alle anderen Menschen, denen er begegnet, reagieren mit pragmatischer Nonchalance auf seine dunkle Vergangenheit: der schmierige Makler, der ihn in sein neues Leben einweist (Bill Pullmann), die Kollegin im Beerdigungsinstitut, in dem sich Frank, von Haus aus an den Umgang mit Toten gewöhnt, nun rührend um die Verblichenen kümmert, sein Tutor bei den Anonymen Alkoholikern (Luke Wilson) und die schöne Femme Fatale Laurel, die über die Leiche ihres Stiefvaters hinweg mit ihm flirtet (mit erdig burschikosem Charme von der wunderbaren Téa Leoni gespielt). Und weil sie alle ihre Gags beiläufig fallen lassen wie Zigarettenstummel, statt sie wie Glitzerzeug im Schaufenster auszustellen, entwickelt sich auch ihre Geschichte mit zurückgenommener Lässigkeit.

Langsam wird der hartgesottene Krimi zwischen einer rabenschwarzen Komödie und einer romantischen Screwball-Liebelei aufgerieben, bis zu einem Showdown, in dem Laurel ihrem Frank so tatkräftig beisteht wie einst Bonnie ihrem Clyde. Und man ahnt, dass es vielleicht gar nicht das mörderische Geschäft war, das Frank und seine zarte Seele ins Burnout-Syndrom getrieben hat, sondern das unwirtliche Klima von Buffalo.

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Anonyme Alkoholiker - die herzensguten Schafe
Was ist bloß mit den Profikillern los? Früher waren das immer hundsgemeine Kerle, doch in diesem Kinojahr – siehe Tödliche Versprechen und Brügge sehen . . . und sterben? – überbieten sie einander im Buhlen um Sympathiepunkte. Dabei hat der Held von „You Kill Me“ noch ein zweites Laster, das nichts Gutes verheißt. Er säuft. Neuerdings in so rauen Mengen, dass er regelmäßig Aufträge vermasselt. Besorgt schickt ihn seine Firma, die Polenmafia von Buffalo, zum Entzug an die Westküste.

Das ist zunächst mal urkomisch, wie sich dieser böse Wolf (Ben Kingsley), dem man jederzeit ein mittleres Massaker zutraut, unter die herzensguten Schafe der Anonymen Alkoholiker mischt. Doch nach und nach bringt der Umgang mit normalem Volk – speziell mit seiner frisch errungenen Liebschaft (Tea Leoni) – die sanftmütige Seite des Killers zum Vorschein. Nur auf seinen Beruf lässt er der Therapie zum Trotz nichts kommen – und auch die neuen Bekannten zeigen sich davon eher fasziniert als angewidert.

Von dem Independent-Film des Krimi-Routiniers John Dahl („Joyride“) sollte man nicht zu viel erwarten. Die Handlung – nebenbei geht es auch um einen Mafiakrieg – plätschert praktisch ohne Suspense-Momente voran. Als Vehikel für Ben Kingsley funktioniert er allerdings prächtig. Besser noch als die Wandlung von der Kanaille zum Kumpel gelingt dem Ex-„Gandhi“ das skizzenhafte Porträt eines Alkoholikers mit der ewigen Abfolge von Abstinenz, Absturz und Scham. Als Drama hat man so was zwar schon überzeugender gesehen. Im Gewand einer romantische Gangsterkomödie bekommt die ernste Sache aber einen ganz eigentümlichen Reiz.

von Klaus-Peter Eichele

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